Michael

Michael war ein aufgeweckter und sehr lebenslustiger Mensch.
Er hatte so viele Ziele und Pläne und nichts schien ihn aufhalten zu können. Er versuchte immer das Beste herauszuholen und alle Ziele irgendwie zu erreichen.
Er hatte zum Schluß eine eigene Wohnung in Malmsheim und fing gerade eine Friseurlehre an. Michael begeisterte seine Mitmenschen mit seiner sehr lebensfrohen, ehrlichen und lustigen Art.
Er verstand es auch in den unmöglichsten und unangebrachtesten Lebenslagen die Leute zum Lachen zu bringen.
Er war so unbeschwert und hatte immer eine optimistische Einstellung zum Leben, dass es leider nicht immer gut mit ihm meinte.
Michael kam gebürtig aus Polen. Mit 4 Jahren reisten seine Eltern mit Ihm aus Polen aus und kamen nach Deutschland.

Michael war schon als Kind (so hat man mir erzählt,ein aufgeweckter und immer lustiger Junge.


Michael konnte schon damals mit seiner Unbeschwertheit und Natürlichkeit seine Mitmenschen verzaubern. Wer ihn kannte --liebte ihn................

Ich lernte Michael vor knapp zwei Jahren kennen. Es war damals so etwas wie Liebe auf den ersten Blick.

Bei Michael eher auf den zweiten, er hatte Angst sich mit mir zu binden, immerhin bin ich fast 11 Jahre älter als Michael. Das schien Michael aber immer weniger etwas auszumachen. Ich denke er genoß es und war sicherlich auch ein wenig stolz. Oft nannte er mich liebevoll Ersatz- Papa oder sogar Opa.(z.B. wenn ich mich mal konservativ angezogen habe, oder wie jeden Sonntag mal spazieren  und abends Tatort anschauen wollte. Vor allem mein Auto nannte er immer Opa - Auto. es ist ein Opel Omega, (hatte vorher einen Calibra)

Spazieren?? Museum angucken?? Das kann ich machen wenn ich 80 bin, hat er immer gesagt...wie gerne hätte ich das mit dir getan....wenn du 80 bist, lieber Michael.

Ich versuchte Michael in den letzten zwei Jahren in alles Lebenslagen zu helfen. Meine Freunde nennen das Helfersyndrom...naja vielleicht haben sie nicht ganz Unrecht damit.

Michael wollte erst IT Systemelektroniker werden. Nachdem die Noten in der Schule aber nicht ausreichend waren, lieferten wir beide uns viele "heiße" Disskussionen...bis sich dann endlich Michaels (was sich aber erst später rausstellte) Traumberuf herauskristallisierte. Ich schlug ihm vor : Lern doch Friseur....

Wer Michael kennenlernen durfte, wird mich verstehen, wieso ich Michael diesen Beruf vorgeschlagen habe.(hihih) Und es war so....Michael blühte in diesem Job voll auf, er durfte schon nach 3 Monaten im Friseursalon bei Kunden die Haare schneiden. Michael wurde als sehr fleißig, hilfsbereit, lustig manchmal chaotisch und aufgeweckt in seinem Job beschrieben. Die Kunden waren begeistert von seinem Charme. Seine Kolleginnen staunten nicht schlecht wenn die älteren Damen ihm 10 DM Trinkgeld gegeben haben. Haarewaschen?? Klar aber bitte von dem jungen netten Mann der macht das so toll.....

"Ich bin der Beste" hat er dann immer gerufen und getanzt.....ja Michael du warst der Beste.

Michael ...ich bin stolz auf Dich!!

Michael lebte bis im Juli 2001 in Göppingen. Dort konnte er sich nie so frei entfalten wie er war....nähmlich schwul. Ich vermittelte Michael in den letzten zwei Jahren dass er bei mir und meinen Freunden genau so sein darf , wie er war...nämlich schwul.

Ich lehrte ihm damit umzugehen, vor allem dass er keine Angst mehr vor Übergriffen und blöden Hänseleien haben muß, wie er sie zuhause und bei seinen angeblichen Freunden haben musste.

Michael hatte nur wenige Freunde bei denen er sich outen konnte. Bei euch möchte ich mich bedanken ..(Sabine , Irina,  und die Anderen)

Michael fühlte sich wohl in seiner neuen Welt, seine Vermieterin , sein Chef , seine Arbeitskollegen...alle akzeptierten Ihn so wie er war....das tat ihm soo gut...er war soo glücklich.

Michael und ich hatten viele Zukunftspläne...ich wollte eine Wohnung kaufen um Michael ganz in meiner Nähe zu haben.

Für ihn gab es bei all seinen Freunden und Kollegen nur noch ein Thema...der Markus kauft ne Wohnung und ich darf da einziehen, das hat er mit einem Leuchten in der Augen erzählt, es wäre das große Glück für ihn geworden.

Michael starb an dem Abend, an dem ich die Finanzierunsbestätigung und den Termin zur Schlüsselübergabe bekommen hatte. Wir wollten am darauffolgenden Samstag die Fliesen den neuen Teppich und die Tapeten aussuchen.

Ich schickte noch am nächsten Tag sofort ein Fax und stornierte alle Kaufinteressen-- ich hätte diese Wohnung nie betreten können. Das wäre immer Michaels Wohnung gewesen.

Eine Woche darauf sind seine Kolleginnen und Freunde zu mir nach Hause gekommen, wir wollten zusammen Kerzen und Blumen an der Unfallstelle ablegen. An diesem Tag überreichte mir seine Klassenlehrerin seine erste Klassenarbeit von der Berufschule.

Leider bekam er seine erste Klasenarbeit von der Berufsschule nie mehr zu sehen....er hatte eine 1,2  das wäre für Michael das Größte gewesen. Soetwas hätte er sich auf der Realschule nie zu träumen gewagt. Ich hätte dan wieder von ihm gehört: Siehst du, ich bin der Beste....haha...gell....siehste...und er hätte wieder sein Grinsen im Gesicht gehabt, hätte rumgetänzelt und gelacht...

Ich bin der Beste.....ja Michael...du bist der Beste...und ich bin soo stolz auf Dich..... Ich liebe Dich !!!!!!!